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Samstag 21. März 2015 | Rettungshunde-Bergedorf, OV-Bergedorf/Rothenburgsort

Einsatzübung 1.0 - Einmal ist immer das erste Mal ...

Die erste Einsatzübung in diesem Jahr war auch gleichzeitig die erste Einsatzübung für unsere neueste Hundeführerin Vienna. Sie hat diese Herausforderung mit Witz und viel Engangement prima gemeistert, so dass die nächsten Einsatzübungen bestimmt nicht mehr ganz so aufregend sein werden. Bis es dann irgendwann für sie heißt „Real-Einsatz 1.0“ ... Wie es ihr bei der Übung ergangen ist? Lesen Sie selbst:

„Ach, hier, dein Funkgerät. Vienna, du hast doch schon einmal gefunkt, oder?“. Eben wollte ich noch „ja“ sagen, doch dann drückte mir meine Staffelkollegin Janna schon ein zweiteiliges Funkgerät in die Hand, was irgendwie gar nicht so aussah wie das Gerät, mit dem ich vor zwei Wochen meine ersten Gehversuche im Funken unternahm. Mein Gesichtsausdruck sah wohl so ratlos aus, dass Janna fragte: „Kurz-Einführung?“. Ich nickte erfreut und meine Gesichtsmuskeln entspannten sich wieder. „Hier ist laut und leise, auf diesen Knopf drückst du, um zu sprechen. Bevor du sprichst, wartest du auf das Piepen. Wer anruft, beendet auch das Gespräch. Und diesen roten Knopf hier niemals drücken. Niemals.“

Einteilung der Suchteams

Kurz darauf wurden die Helfer und Helferinnen den Such-Teams zugeordnet. Dass gerade ich schon als Helferin ein Team unterstützen sollte, grenzt an Ironie. Mein Erste-Hilfe-Kurs ist so lange her, dass ich meinen Ausweis dazu irgendwo in einem Ordner aus dem letzten Jahrzehnt fand und meine Funkkenntnisse, nun ja, der aufmerksame Leser kennt diese schon. Mit anderen Worten, eigentlich sollte besser mir geholfen werden. Umso beruhigter war ich, dass ich einem erfahrenen Suchteam zugeordnet wurde, das wohl auch auf eine Helferin wie mich hätte verzichten können.

Im Suchgebiet angekommen, konnte ich meine Funkkenntnisse zum ersten Mal unter Beweis stellen. Taste gedrückt, Piep. „61 9 35...“ ach, Mist, erst kommt die Nummer, die ich anfunken will. Also nochmal von vorne: „32 11 1 von 61 9 35, kommen“. Die Sekunden vergehen wie Minuten... hatte ich ins Leere gefunkt? Die Leitung knistert. „32 11 1 hört“. Juchu, es antwortet jemand! Ich wurde erhört! Vor lauter Aufregung hatte ich doch glatt vergessen, was ich denn sagen wollte... Achja... „61 9 35 beginnt mit der Suche in...“ (hektischer Blick auf die Karte) „... Suchgebiet 2, kommen“. „61 9 35 beginnt mit der Suche in Suchgebiet 2, das ist verstanden, kommen“, raschelte es durch das Funkgerät. „Verstanden, Ende“.

Johanna greift in ihre Hüfttasche und verstreut Baby-Puder, um zu sehen, aus welcher Richtung der Wind kommt. Eigentlich müssten wir im Süden mit der Suche beginnen, da der Wind aus Norden kommt und Sina, Johannas Hündin, so mehr Witterung aufnehmen könnte. Da wir nur wenig Zeit haben, entscheiden wir uns im Norden zu beginnen und am westlichen Rand unseres Suchgebiets entlang zu laufen. Das ist zwar nicht optimal, aber welcher reale Einsatz hat schon ideale Bedingungen. Sina rennt los, schnuppert dort, läuft wieder los und hat sichtlich Freude an ihrer Aufgabe. Johanna und ich überlegen kurz, ob wir wohl zu den heutigen Rettern gehören können und eine Person finden. In diesem Moment stoppt Sina auf einer Brücke, schnuppert und fängt an zu bellen. Wir sehen uns um, keiner zu sehen. „Ja, wo denn?“ fragt Johanna ihre Hündin. Sina läuft im Zickzack über die Brücke und denkt sich wahrscheinlich: „Ja, riecht ihr Doofen das denn nicht?“, klettert die Böschung herunter, rennt unter die Brücke und bellt erneut. Laut und deutlich.

„Lassen Sie mich in Ruhe, das hier ist meine Terrasse. Sie stören mich, gehen Sie bitte!“ sagt die Person, die wir unter der Brücke vorfinden. „Das hier ist meine Terrasse und ich möchte jetzt in Ruhe baden, lassen Sie mich in Ruhe“. Johanna und ich gucken uns kurz an und müssen uns ein lautes Lachen verkneifen. „Vienna, kannst du mal kurz übernehmen? Ich muss mich mal eben um Sina kümmern“. Also übernehme ich: „Elke, tut dir irgendetwas weh?“ „Mir? Etwas wehtun? Ich will jetzt hier schwimmen und Sie stören mich dabei“. In dem Moment wusste ich, dass unsere vermisste Person Elke, die gute Seele unserer Hundestaffel ernst macht und ich in der immer realer wirkenden Situation gefangen war. „Mögen Sie vielleicht trotzdem mit uns mitkommen?“ Elke antwortete sichtlich ungeduldig und noch immer ganz in ihrer Rolle: „Warum sollte ich? Ich will jetzt hier schwimmen gehen.“ Ja, warum denn eigentlich? ...Und schon fing mein Hirn an zu rattern, auf der Suche nach einem guten Grund. Vielleicht wegen der vier Grad über Null? Das würde mir unsere sichtlich verwirrte Person nicht abnehmen. „Wissen Sie“, sagte ich „wir zwei jungen Damen kennen uns hier überhaupt nicht aus. Und Sie sind ja anscheinend täglich hier und können uns sicher einen guten Weg zeigen, wie wir gut nach Hause kommen. Vielleicht machen Sie das eben?“ Elke klappte ihr Buch zusammen und ich konnte aufatmen. Den Spieß umzudrehen und an ihr Retter-Herz zu appellieren, war die Lösung. Der Einsatzleitung eine kurzen Statusbericht zu funken, schien dann schon eine meiner leichtesten Übungen zu sein.

Nachdem Elkes Verwirrtheit blitzgeheilt wurde, konnten wir unsere Suche ohne weitere Vorkommnisse fortsetzen und befanden uns schnell wieder an unserem Ausgangspunkt. „32 11 1 von 61 9 35 kommen“, „32 11 1 hört“, „61 9 35 hat keinen weiteren Fund, beendet die Suche und geht zurück zur Einsatzleitung, kommen“. „Das ist verstanden, kommen“, „Verstanden. Ende.“.


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