Presse - 7

10. Februar 2006 - Hamburger Morgenpost

Auf dem Laufsteg im Blindenheim
Von Katrin Schmiedekampf

Schüler und Bewohner organisieren eine ungewöhnliche Schau

Lächelnd stolziert sie über den Laufsteg: Hildegard von der Werth. Doch die 76-Jährige ist sehbehindert. Und der Laufsteg? Ein schlichter Gang im Blindenpflegeheim der Hamburger Blindenstiftung. Hier veranstalteten 13 Schüler des Gymnasiums Osterbek jetzt eine große Modenschau.

"Hildegard trägt einen braunen Rock mit Gehschlitz und Zierschnalle", sagt Moderator Philipp Bahn. Der 17-Jährige beschreibt haarklein, was die Models - sechs Schüler und vier Heimbewohner - tragen. Denn auch viele der Zuschauer sind sehbehindert.

Philipp und seine Mitschüler kennen das Blindenpflegeheim genau. Sie haben hier im Rahmen des Projekts "Sozial macht Schule" (SMS) drei Wochen lang ihr Praktikum absolviert. SMS wurde 1998 vom Arbeiter Samariter Bund gegründet. Jugendliche sollen so ihre Schülerrolle verlassen und sich sozial engagieren.

Den Schülern vom Gymnasium Osterbek ist das gelungen. Acht Bewohner des Senator-Ernst-Weiß-Hauses haben sie näher kennen gelernt, täglich etwas mit ihnen unternommen. Spanischkurs, Walzerstunden, Ausflüge, Modenschau - die Elftklässler ließen sich einiges einfallen.

"Die Zeit mit den Jugendlichen war ein Geschenk", sagt Getrud Bruhn (82). Hildegard von der Werth ergänzt: "Sie haben hier Abwechslung reingebracht." Der Auftritt als Model habe ihr gefallen. Grinsend sagt sie: "Wer weiß, vielleicht werde ich ja noch entdeckt."

Obwohl das Praktikum nun zu Ende ist, wollen die Jugendlichen weiterhin regelmäßig ins Pflegeheim kommen. Sandra: "Wir planen jetzt ein ,Blind Date' mit den Bewohnern und eine einwöchige Reise nach Mallorca." Sponsoren werden noch gesucht.