Presse - 6

24. März 2005 - Hamburger Morgenpost

Hamburg hilft - Projekt von MOPO und ASB trägt Früchte

Von Olaf Wunder
Drei Monate sind seit dem Tsunami vergangen

Das Hilfsprojekt von MOPO und ASB in Indien trägt jetzt erste Früchte. Von den 300 000 Euro, die unsere Leser zur Verfügung stellten, kommt jeder Cent bei den Flutopfern an. Die Menschen sind glücklich, sagen "Danke, liebe MOPO-Spender!"

Kalaimathi lacht wieder. Zum ersten Mal seit dem 26. Dezember, seit die Welle kam und alles mit sich riss. Nicht nur das Haus im indischen Fischerdorf Sadraskuppam wurde zerstört. Auch der Vater ertrank in den Fluten. Dass das 16-jährige Mädchen wieder Mut fasst und in die Zukunft schaut, ist das Verdienst der MOPO-Leser. Ein simples Fahrrad hat schon genügt, um ihr Hoffnung zurückzugeben. Denn dieses Rad ist eine Riesen-Erleichterung für sie und für alle in ihrer Familie, die den Tsunami überlebten.

Nicht nur für Kalaimathi, sondern auch für 15 andere Schüler aus dem Dorf hat die MOPO Fahrräder angeschafft. Bisher mussten die 15- bis 18-jährigen Jugendlichen jeden Tag bei sengender Hitze eine Stunde bis zur Schule laufen und abends wieder zurück. Jetzt reduziert sich die Wegstrecke auf 15 Minuten. So bleibt den Kindern mehr Zeit, der Mutter im Haushalt und den Geschwistern bei den Hausaufgaben zu helfen. Kalaimathi will sich außerdem mehr auf die Schule konzentrieren. Sie hofft, dass sie die Zulassung für die Uni erhält und Ingenieurwissenschaften studieren kann, denn sie will der Familie so schnell wie möglich den Vater als Ernährer ersetzen.

Nach der Tsunami-Katastrophe war die Hilfsbereitschaft der MOPO-Leser so groß wie nie zuvor. Rund 300 000 Euro stellten die Spender zu Verfügung. Und jeder Cent kommt an! Im Januar reisten MOPO-Reporter und der ASB-Helfer Clas Beese nach Indien, in die Nähe von Chennai (ehemals Madras), um sich davon zu überzeugen, wo die Not am größten ist, wo das Geld am dringendsten benötigt wird. Das ursprüngliche Vorhaben, rund 500 zerstörte Fischerhäuser in den Dörfern Sadraskuppam und Ooyalikuppam durch neue zu ersetzen, zerschlug sich. Den Wiederaufbau am gleichen Ort, also direkt am Strand, genehmigen die Behörden nicht. Stattdessen will der Staat Wohnhäuser im Landesinneren zur Verfügung stellen, was aber die Betroffenen ablehnen. Sie sind Fischer. Das Meer ist ihr Zuhause.

MOPO und ASB konzentrieren sich jetzt darauf, eine Reihe zerstörter Schulen in der Region wieder instandzusetzen. Beispielsweise in Sadraskuppam: Dort wird mit dem Geld aus Hamburg ein Mehrzweckgebäude errichtet, das tagsüber als Schule, abends der Dorfgemeinschaft dienen soll. In der Stadt Mamallapuram helfen MOPO und ASB beim Neubau eines Gymnasiums. Die Hauptschule in Vayaloor benötigt einen Erweiterungsbau für drei neue Klassenräume. Für eine Reihe anderer Schulen werden Schulmöbel und Computer angeschafft. Die Schule in Ooyalikuppam erhielt bereits Hilfe: sechs neuen Tafeln. Schüler und Lehrer waren einfach nur sprachlos vor Glück.

MOPO und ASB verfolgen weitere ehrgeizige Ziele: So werden in Sadraskuppam sechs Toilettengebäude mit 48 Klosetts errichtet. Seit der Tsunami sämtliche sanitäre Einrichtungen vernichtete, verrichten die Menschen ihre Notdurft im Freien, was die Gefahr von Krankheiten und Seuchen erhöht. Parallel zum Bau der neuen Toiletten werden deutsche Sozialpädagogik-Studenten ein Gesundheitsaufklärungsprogramm starten, um den Bewohnern zu vermitteln, wie moderne Toiletten benutzt und sauber gehalten werden.

Ein weiteres großes Problem seit dem Tsunami: die Verseuchung von Ackerboden mit Salzwasser. Besonders hart hat es die Stadt Nagapatniam, 300 Kilometer südlich von Chennai, getroffen. Bis die Welle kam, lebten die 6400 Einwohner von Reis- und Gemüseanbau. Jetzt wächst auf den Äckern nichts mehr. Die gesamte Ernte ging verloren.

In Zusammenarbeit mit einer örtlichen Hilfsorganisation wollen MOPO und ASB den Ackerboden auf ökologische Weise sanieren: Dazu werden regelmäßig die Brunnen leergepumpt und das versalzene Grundwasser ins Meer geleitet. Außerdem müssen auf dem Acker sechs Monate lang bestimmte Pflanzen-Sorten angebaut werden, die dem Boden das Salz entziehen. Danach können die Bauern die ersten salz-toleranten Reissorten säen. Nach einem weiteren halben Jahr gedeihen die ursprünglichen Sorten wieder. Bis es soweit ist, wird die MOPO die Dorfbewohner mit Lebensmitteln versorgen.

Das MOPO/ASB-Team in Indien arbeitet nun schon seit drei Monaten unter Hochdruck. "Viel Zeit ging im Kampf mit den Behörden verloren", bedauert Clas Beese, der Projektleiter. "Aber jetzt geht es voran." Er verspricht: "Jeder Cent aus Hamburg kommt direkt bei den Tsunami-Opfern an."