Ehrenamt

25. Februar 2004 - Hamburger Abendblatt

Ehrenamt

3500 Schüler betreuen während ihrer Freizeit alte Menschen im Rahmen des Projekts "Sozial macht Schule".

Während die Politiker Patenschaften für Bewohner von Pflegeheimen fordern, arbeiten einige ehrenamtliche Organisationen in Hamburg im Stillen schon für bessere Lebensumstände von alten Menschen. Zum Beispiel das Generationen verbindende Projekt "Sozial macht Schule" (SMS) des Arbeiter-Samariter-Bundes, das Schülern ein Sozialpraktikum vermittelt. Von den rund 3500 Schülern aus mehr als 40 weiterführenden Schulen, die bei dem Projekt bislang beteiligt waren, haben sich mehr als 50 Prozent freiwillig für die Altenpflege gemeldet. "Wir schicken die Jugendlichen zur Betreuung in die Heime. Sie gehen mit den Alten spazieren, lesen ihnen vor oder spielen Karten", sagt Rainer Micha, Projektleiter von SMS. Die Sozialpraktika dauern von einem Tag bis zu sechs Monaten. Häufig bilden sich aus dem Engagement der Jugendlichen tiefe Freundschaften. So wie im Senator-Ernst-Weiß-Haus, einer Pflegeeinrichtung für stark sehbehinderte und blinde Senioren. "Etwa 15 Praktikanten sind hier hängen geblieben", erzählt Heimleiterin Rita Sturm. "Sie kommen in ihrer Freizeit immer wieder, gehen als Erstes in die Zimmer ,ihrer' Heimbewohner, um sie zu begrüßen." Die Dienste, die die Jugendlichen von SMS in den zehn Einrichtungen verrichten, gehen über das hinaus, was das Pflegepersonal leisten kann. Beispiel Bürgerschaftswahlen am Sonntag: Die Bewohner des Senator-Ernst-Weiß-Hauses (Wandsbek) können ihre Stimmzettel für die Briefwahl nicht lesen, brauchen Hilfe. Deshalb rückten gestern fünf Jugendliche vom Gymnasium Osterbek im Rahmen des SMS-Projekts in dem Heim an der Bullenkoppel an, um den Senioren bei der Briefwahl zu helfen - ganz legal, so die Heimleiterin. Sie hatte sich zuvor Zusagen der Betroffenen eingeholt. Nadine Schröder (19) ist zum ersten Mal dabei: "Das ist eine gute Sache." Mit den Briefwahlunterlagen verschwindet sie im Zimmer von Elfriede Hacker (83). Und die freut sich: "Schön, dass da ein junges Mädchen kommt, um mir beim Wählen zu helfen." hpssc

erschienen am 25. Feb 2004 in Hamburg