„Ich muss immer etwas zu tun haben" – Gerd Prüfer, 50 Jahre dabei

Seit 50 Jahren ist Gerd Prüfer Mitglied beim Arbeiter-Samariter-Bund Hamburg. Eine Geschichte über Zivildienst, Herzprojekte, internationale Freundschaften – und einen Mann, der einfach nicht aufhört.
Es beginnt, wie so viele große Geschichten, mit einer kleinen Entscheidung: 1976 entschließt sich ein junger Mann aus Reinbek, seinen Wehrersatzdienst beim Arbeiter-Samariter-Bund zu leisten. Zehn Jahre Verpflichtung im Katastrophenschutz. Was folgt und er damals nicht ahnt sind, sind fünfzig Jahre, in denen Gerd Prüfer dem Verband treu bleibt, ihn mitprägt und sich in Rollen findet, die weit über den ursprünglichen Dienst hinausgehen.
Heute ist er stellvertretender Landesvorsitzender des ASB Hamburg. Ein Jubiläum, das Anlass gibt, zurückzublicken – auf das, was er angestoßen hat, und auf das, was ihn antreibt.
Verantwortung früh übernommen
Mehr als zwei Jahrzehnte leitete Gerd Prüfer den ASB-Ortsverband Hamburg-Nordost mit über 20.000 Mitgliedern. Seit 2006 ist er stellvertretender Landesvorsitzender – zuständig unter anderem für Jugendarbeit, internationale Beziehungen und Digitalkommunikation. In Krisenzeiten wie dem Hochwasser, der Flüchtlingskrise 2015 oder der Corona-Pandemie gehörte er zu denen, die koordinierten und anpackten.
Gerd Prüfer ist kein Mensch, der im Hintergrund bleibt. Das schätzen viele – und macht die Zusammenarbeit mit ihm manchmal auch herausfordernd. Wer so viel Energie mitbringt und so klar eigene Positionen vertritt, reibt sich auch.
Der Wünschewagen
Wer Gerd Prüfer kennt, weiß: Der Wünschewagen ist mehr als ein Projekt für ihn. Die Idee, schwerstkranken Menschen einen letzten Wunsch zu erfüllen – eine Fahrt ans Meer, einen Besuch bei der Familie, den Ort der Verlobung – hat er von Anfang an mitgestaltet und vorangetrieben. Seit 2017 hat der ASB Hamburg über 5.000 solcher Fahrten durchgeführt.
Prüfer begnügt sich nicht mit der Rolle des Organisators: 2019 legte er erneut die Sanitäterprüfung ab, um Fahrten selbst begleiten zu können. Das Projekt hat er auch international weitergetragen – 2023 übergab er den ersten Hamburger Wünschewagen an den Samariterbund in Lettland.
Jugend, Einsamkeit, internationale Partnerschaften
Gerd Prüfer hat die Arbeiter-Samariter-Jugend Hamburg wieder zum Leben erweckt – für ihn eine Frage der Zukunftsfähigkeit des Verbandes. Mit dem europäischen Jugendprojekt SO YES bringt er junge Menschen aus verschiedenen Ländern zusammen. Daneben stehen Projekte wie Kochkurse für Bedürftige oder die Pfoten-Buddies Haustierhilfe für ältere und erkrankte Menschen.
Die Partnerschaften mit ASB-Organisationen in Kaunas und Riga pflegt er seit Jahrzehnten. Zuletzt empfing er eine Delegation aus Kiew, um Pflegeprojekte für die Ukraine zu entwickeln.
50 Jahre – was bleibt
Gerd Prüfer hat mit 15 Jahren auf Wunsch seines Vaters die Schule verlassen, sich später zum Telekommunikationsmeister weitergebildet und schließlich als Technischer Bundesbahnbetriebsinspektor gearbeitet. Seit Mai 2023 ist er im Ruhestand – doch sein Kalender ist voller als je zuvor.
„Ich muss immer etwas zu tun haben", sagt er. Und meint damit nicht Beschäftigung – sondern Verantwortung. Für Menschen. Für den Verband. Für eine Gesellschaft, in der niemand allein gelassen wird. Und das erklärt vielleicht am besten, warum er seit fünfzig Jahren dabei ist – und warum der ASB Hamburg ein Stück von ihm trägt.
Und dafür sagen wir ganz herzlich: Danke Gerd Prüfer!