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Freitag 01. Juli 2016 | Rettungshunde-Bergedorf, OV-Bergedorf/Rothenburgsort

ASB OV Bergedorf/ Rothenburgsort: Mantrailing-Prüfung bestanden!

Durch eine bestandene Hauptprüfung erlangen Mantrailing-Teams ihre Einsatzfähigkeit und damit das, worauf sie jahrelang mit Hunderten von Trainingsstunden und wiederkehrenden Selbstzweifeln hingearbeitet haben...

Befragung

Erfolgreiche MT-Prüfung

Mantrailer (wörtlich „Menschenverfolger“) verfolgen die Spur („Trail“) einer vermissten Person anhand ihres individuellen Geruchs. Um die vermisste Person verfolgen zu können, bekommt der Hund einen Geruchsträger des oder der Vermissten. Beim ARD-Tatort nimmt sich der Kriminalbeamte gerne mal eine Haarbürste aus dem Regal. In der Realität wird der Geruchsträger jedoch nicht von Dritten berührt, um den Gegenstand nicht mit fremden Gerüchen zu verunreinigen. Ausschließlich der Hundeführer fasst den Geruchsträger an, um diesen für den Transport zum Einsatzort in eine kleine Plastiktüte zu packen. 

In der Prüfung müssen die Hunde unter Beweis stellen, dass sie eine Spur verfolgen können bis sie am Ende der Spur die vermisste Person auffinden. Reißt die Spur zwischendurch ab, weil der oder die Vermisste z.B. in ein Fahrzeug gestiegen ist, zeigt der Hund auch das seinem Hundeführer an. Dieser Spurabriss nennt sich „Short Trail“. Wurde das Rettungshundeteam an einem Ort in die Suche geschickt, an dem sich die vermisste Person niemals aufgehalten hat, sollte der Hund auch dieses sogenannte „Negativ“ seinem Hundeführer eindeutig anzeigen, z.B. durch Anspringen oder Vorsitzen. In der Mantrailing-Prüfung muss das Team einen Trail und einen „Short-Trail“ oder das „Negativ“ selbstständig erkennen und abarbeiten. Die Reihenfolge dieser verschiedenen Aufgaben wird vom Prüferteam festgelegt und dem Prüfling nicht mitgeteilt.

Die hohen Anforderungen an die Teams machen die Mantrailing-Prüfung zu einer der schwersten Prüfungen innerhalb der Rettungshundearbeit. Im Gegensatz zu Flächensuchhunden („Feld-Wald-und-Wiesen-Supernasen“), die in kurzer Zeit mehrere Quadratkilometer unwegsamen Geländes nach jeglicher menschlicher Witterung absuchen, müssen Mantrailer die drei verschiedenen Spur-Verläufe unterscheiden und korrekt anzeigen. Kein Wunder also, dass ca. 75% die Mantrailing-Prüfung nicht bestehen.

Am letzten Wochenende hatte meine angehende Feld-Wald-und-Wiesen-Supernase Urlaub, damit ich meine Staffelkollegin Catta zu ihrer Mantrailing-Prüfung begleiten konnte.

Für mich ein Perspektivenwechsel, für sie eine Anerkennung ihrer harten Arbeit, für uns ein sehr emotionales Wochenende.

Danke, dass ich bei eurem großen Moment dabei sein durfte – ihr seid der Wahnsinn!


Catharina & Milka zeigen stolz ihre Urkunde!

Nach der dritten Kreuzung frage ich mich, ob wir überhaupt noch richtig sind. Nicht, weil ich an Catta und Milka zweifle, sondern weil die Prüfer anfangen über das kommende Mittagessen zu philosophieren. Mir dreht sich der Magen um.

Hundert Meter weiter: Die Sonne brennt, die Luft flimmert. Catta und Milka kommen aus einer Kreuzung zurück. Sie halten an. Catta nimmt sich eine Auszeit, geht einen Schritt zur Seite und  greift wortwörtlich nach einem rettenden Strohhalm (in diesem Falle ironischerweise einem Halteverbotsschild), um sich zu abzustützen und ihre Nerven zu beruhigen. Ihr Kopf ist mittlerweile hochrot und schweißgebadet. Sie guckt unzufrieden, ihre Gesichtszüge entgleisen ihr immer mehr. „Wie viel habe ich noch?“. Einer der Prüfer schaut mit versteinerter Miene auf seine Uhr. „Noch 21 Minuten hast du“.


400 Meter hatten wir zu diesem Zeitpunkt zurückgelegt. In 40 Minuten. Catta blieben also noch 20 Minuten für die Ausarbeitung ihres Trails, der im kürzesten Fall 1000 Meter, im längsten Fall 1500 Meter lang sein kann. Man muss kein Mathe-Ass sein, um zu sehen, dass wir noch viel Strecke vor uns hatten und die Zeit raste.


„Ok, ich muss mal eben laut denken. Irgendwo habe ich meinen Hund so sehr gefrustet, dass sie da jetzt nicht mehr reingeht.“ Mit diesem Satz entlockt Catta den Prüfern ein heiseres Lachen. „Das weiß ich, das kann ich dir danach sagen“, sagt einer der Prüfer. Der Rest der Prüfer nickt wissend.

Catta schaut zurück. Zurück in Richtung der drei Kreuzungen, die sie schon vor gefühlten Stunden hinter sich gelassen hat. Ohne, dass sie diesmal ihre Gedanken ausspricht, kann jeder sie lesen. Gehe ich zurück und überprüfe ich nochmal? Dafür bleibt keine Zeit, sie muss hier weitermachen und darauf hoffen, dass sie auf dem richtigen Weg ist.

Catta atmet tief ein, schnallt Milka um und weiter geht’s. Sie läuft zum dritten Mal die Kreuzung ab und verlässt diese entschlossenen Schrittes in westliche Richtung. Ihr Kämpfergeist war geweckt.

Beflügelt von dem Gedanken einer Erlösung näher zu kommen, lassen Catta und Milka die darauffolgende Kreuzung im schnellen Tempo hinter sich und steuern auf die Ortstafel der Kleinstadt Bad Liebenwerda zu. Linker Hand eine Sackgasse, rechter Hand ein Autohaus. Catta stoppt und dreht sich zu den Prüfern um: „Nur, dass ihr es wisst: Ich würde jetzt erstmal links die Sackgasse abarbeiten und, wenn dort nichts sein sollte, nochmal hierher zurückkehren.“ Ich wundere mich, dass Catta auf einmal so viel redet. Gleiches scheinen die Prüfer zu denken.

Ich werfe einen Blick auf meine Uhr: Noch 10 Minuten. 240 Meter später läuft Milka mit pendelnder Rute an den Gartenzäunen der Einfamilienhäuser vorbei und scheint sich ihrer Sache sicher.

Noch 5 Minuten. Vor uns liegt ein großer Firmenparkplatz.

Noch 1 Minute und 30 Sekunden. Milka gibt nochmal alles, die Leine spannt sich, Milka biegt ab und mäht dabei mit der gespannten Leine den Firmengarten. ANZEIGE (... nach 59 Minuten)!

Der zweite Teil der Prüfung (in Cattas Fall die Unterscheidung zwischen Short-Trail und Negativ) war im Gegensatz zum ersten Prüfungsteil ein Kinderspiel. Naja, zumindest für mich. Denn ich schaute diesmal lieber nur aus der Ferne zu ;-)


Spekulation der Autorin: Die Prüfer sprachen vermutlich nicht über das Essen, weil die Prüfung schneller beendet werden würde als geplant, sondern weil Milkas Nase perfekt arbeitete und ihnen wahrscheinlich jede Ablenkung recht war, um ihre Freude über diesen großartigen Hund zu verbergen und ihr Pokerface zu wahren.

 


Wir - die gesamte Rettungshundestaffel des ASB-Bergedorf - freuen uns über unser frischgebackenes Einsatzteam. Ganz besonders bedanken möchten wir uns beim ASB Riesa für die Organisation und Ausrichtung der Prüfung, sowie bei den beiden Prüfern Sabine und Dirk.


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