Waltraud Wiese
„Meine Geschichten wecken schöne Erinnerungen“
Waltraud Wiese, 70 Jahre Jeden Donnerstag wird es im Gruppenraum des Alten- und Pflegeheims Lupinenweg ganz still. Denn dann ist Geschichten-Zeit: Waltraud Wiese liest Märchen, Sagen und Legenden vor, während die Bewohner des Heims konzentriert lauschen. „Ich bin immer wieder überrascht, wie aufmerksam und rege selbst leicht demente Menschen sind“, sagt die 70jährige über ihre ehrenamtliche Arbeit. „Diese Freude und Lebendigkeit, die ich dabei beobachte, möchte ich nicht mehr missen.“
Die Geschichten sucht Waltraud Wiese mit großer Sorgfalt aus: „Märchen und Sagen eignen sich besonders gut zum Vorlesen. Sie sind nicht zu lang, rufen Erinnerungen wach und regen zur Diskussion an.“ Was da diskutiert wird, zeigt sehr deutlich, wie interessiert sich die alten Menschen mit unserer heutigen Zeit auseinandersetzen. Da ist zum Beispiel die Sage über den Hamburger Fähranleger Teufelsbrück: Der Teufel soll dort eine Brücke gebaut haben. Als Gegenleistung verlangte er die Seele des ersten Lebewesens, das über die Brücke geht. Natürlich tobte der Teufel, als es ein aufgescheuchter Hase war. „Bei der Diskussion kamen wir darauf, dass oft nur dann geholfen wird, wenn man dafür belohnt wird. Es ist für mich immer wieder erstaunlich, welche Rückschlüsse die alte Menschen treffen können“, sagt Waltraud Wiese.
Auf die Idee, alten Menschen zu helfen, war sie schon vor Jahren gekommen: Sie wohnt ganz in der Nähe des Seniorenheims Lupinenweg in Osdorf und beobachtete oft, wie ehrenamtliche Mitarbeiter alte Menschen beim Spaziergang begleiteten, mit ihnen redeten und ihnen halfen. Auf der Aktivoli-Börse im Januar 2004 bekam sie dann den letzten Impuls, sich ehrenamtlich in einem Altenheim zu engagieren. Allerdings wusste sie: Die Fixierung auf einen einzelnen Menschen würde sie überfordern. „Einmal habe ich mich trotzdem emotional auf eine Frau eingelassen. Sie war hochintelligent, ein unglaublich interessanter Mensch. Ich habe viel mit ihr geredet und sie zu dicht unter meine Haut gelassen. Als sie starb, brauchte ich lange, bis ich damit fertig wurde. Heute versuche ich, meine Kraft auf die Gruppe zu verteilen – das bringt allen mehr.“
In ihrem Beruf als leitende Sekretärin arbeitete Waltraud Wiese früher für Dozenten der Erwachsenenbildung. Da waren geistige Beweglichkeit, Allgemeinwissen und eine Portion Selbstbewusstsein wichtige Voraussetzungen. Und darauf kann sie heute noch bauen, wenn sie sich mit den Menschen im Seniorenheim auseinandersetzt. Bevor sie ihre Geschichten vorliest, hilft sie, die Heimbewohner aus ihren Zimmern zu holen. Bei Geburtstagen hat Waltraud Wiese ein kleines Präsent dabei, oft hört sie sich Probleme und Sorgen an und versucht, wenigstens mit Worten Beistand zu geben. „Altenheime müssen heute allzu betriebswirtschaftlich geführt werden, die menschliche Wärme bleibt auf der Strecke“, meint Waltraud Wiese. „Die Pflegekräfte haben zu wenig Zeit, sie können zusätzliche Leistungen wie Gespräche und Trost kaum mehr bieten. Umso wichtiger ist es, dass viele Menschen freiwillig mitarbeiten.“ Für die Suche nach dem richtigen Ehrenamt empfiehlt sie: Einfach das tun, was den eigenen Stärken und Neigungen entspricht – dann wird die Hilfe nicht zur Last, sondern zu einer großen Bereicherung für alle.
Letzte Änderung: Montag, 26.03.2012
Kontakt
Zeitspender-Agentur Hamburg
Jens Schunk
Leitung
Schäferkampsallee 29
20357
Hamburg
eMail: eMail-Kontakt
Telefon: 040 8339 8339
Fax: 040 8339 8184
Marion Wessling
Schäferkampsallee 29
20357
Hamburg
eMail: eMail-Kontakt
Telefon: 040 8339 8339
Fax: 040 8339 8184


