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Lars Abendroth

„Das Vertrauen der Jungs gibt mir neue Kraft“

Lars Abendroth

Lars Abendroth, 39 Jahre „Einfach ist es mit den Jungs in der Pubertät wirklich nicht. Sie tun unglaublich cool, als wäre ihnen alles egal. Umso schöner ist es, wenn sich einer von ihnen öffnet, wenn er anfängt zu erzählen und wieder einen Sinn darin sieht, für sich selbst zu kämpfen.“ Lars Abendroth ist eigentlich kein großer Erzähler – ein echtes Nordlicht eben. Aber wenn es um „seine Jungs“ geht, die er in der Jugendwohnung des ASB in Ottensen betreut, merkt man ihm seine Begeisterung an.

Seit über einem Jahr bietet Lars Abendroth Nachhilfe in Mathematik für sechs Jungen im Alter zwischen 16 und 18 Jahren an. Sie wohnen aus den verschiedensten Gründen in der betreuten Wohngemeinschaft: Drei der Jugendlichen stammen aus afrikanischen Ländern und sind allein in Hamburg eingereist. Die anderen haben Probleme mit ihren Eltern und sind deshalb auf staatliche Hilfe angewiesen. Lars Abendroth kann diese Probleme nicht lösen. Aber er kann den Jungs helfen, einen eigenen Weg zu finden, indem er ihnen bei der Ausbildung hilft. Dabei kommt ihm seine Leidenschaft für die Mathematik zu Hilfe. „Zu sehen, wie die Jungs in der Schule voran kommen und plötzlich wieder Chancen haben – das macht mir Spaß und gibt mir das Gefühl, gebraucht zu werden“, sagt er.
In seinem Beruf als kaufmännischer Assistent bei einer Computerfirma kann Lars Abendroth seit etwa zehn Jahren nicht mehr arbeiten, weil er an Depressionen leidet. Die Arbeit als freiwilliger Helfer beim ASB gibt ihm neue Kraft. „Es ist ein tolles Gefühl, wenn die Jungs mir vertrauen und über ihre Probleme reden“, sagt er. „Aber das kommt nicht von heute auf morgen, da muss man viel Geduld haben. Anfangs tun sie oft, als würden sie mich gar nicht kennen. Ich muss immer wieder Hilfe anbieten und versuchen, das Beste aus ihren Möglichkeiten zu machen.“
Umso mehr freut er sich über jeden Erfolg. Zum Beispiel über Thierno aus Französisch-Guinea, der ohne Deutschkenntnisse nach Hamburg kam und nun die Schule mit einer glatten Eins in Mathematik, Englisch und Deutsch beendet hat. Oder über den Hamburger Jungen, der auf dem Gymnasium versagte und auf die Hauptschule kam, weil er seine kranke Mutter betreuen musste. Die Nachhilfe brachte ihm nun den Hauptschulabschluss – eine großartige Leistung bei den Problemen, die er bereits hinter sich hat. „Ich habe immer wieder festgestellt, dass Jungen bei der Kinderbetreuung und in den Schulen benachteiligt werden“, sagt Lars Abendroth. „Man spricht zum Beispiel jedes Jahr in allen Medien über den Girls’Day – aber wer kennt schon den Boys’Day, an dem Jungen hinter die Kulissen sozialer Berufe schauen können?“
Schwierig wird es, wenn die Jungen 18 werden – dann müssen sie oft die Wohngemeinschaft verlassen und auf eigenen Beinen stehen. Kommen sie nicht aus Deutschland, werden sie in Wohnunterkünften untergebracht. „Allein kann man wenig tun, um zu helfen. Deshalb finde ich es wichtig, dass sich möglichst viele Menschen an eine Vermittlungsstelle wie die Zeitspender-Agentur wenden, die ehrenamtliche Mitarbeiter vermittelt. So können die Jugendlichen auch dann noch Unterstützung von Freiwilligen bekommen, wenn unsere Arbeit in der betreuten Wohngemeinschaft beendet ist.“


Letzte Änderung: Montag, 26.03.2012

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