Karl-Heinz van Nüffeln
„Kinder brauchen Hilfe, keine Vorurteile“
Karl-Heinz van Nüffeln (69) Ursprünglich waren nur drei Monate geplant. Aber weil Karl-Heinz van Nüffeln keine halben Sachen mag, ist er nun schon fast zwei Jahre Mitarbeiter beim Projekt „Handwerk macht Schule“ – und das mit vollem Einsatz. „Mir kommt es sehr recht, dass mich mein Ehrenamt richtig fordert. Ich war früher ein Vollblut-Workoholic. Wenn man dann aufhören soll, weil man 65 Jahre alt ist, fehlt etwas ganz Wichtiges im Leben. Die Arbeit mit den Jugendlichen ist genau das Richtige für mich.“
Jeden Donnerstagnachmittag betreut Karl-Heinz van Nüffeln Haupt- und Realschüler der 8. und 9. Klasse der Vermoor-Schule in Eidelstedt. Sie lernen bei ihm handwerkliche Fähigkeiten – sägen, bohren, schleifen, schrauben. Eigentlich Dinge, auf die Jugendliche „null Bock“ haben. Aber sie kommen mit großer Begeisterung, bringen Freunde mit und verpassen nach Möglichkeit keine einzige Stunde. Wie schafft man das? „Die Schüler schaffen bei uns etwas mit ihren eigenen Händen“, erklärt Karl-Heinz van Nüffeln. „Gerade wenn sie in der Schule Schwierigkeiten haben, ist das ganz wichtig für sie: Sie erkennen, dass Zensuren nicht alles im Leben sind, dass sie etwas können, dass sie etwas wert sind. Für mich ist es immer wieder wunderbar, wenn ich sehe, wie sie bei unserem Projekt neues Selbstbewusstsein bekommen.“
Was da entsteht, wenn die Schüler von Karl-Heinz van Nüffeln tätig werden, geht über Bastelarbeiten weit hinaus: Ein Klapp-Hocker aus Holz; Kerzenständer für Weihnachten; ein gemauerter Grill, der von allen gemeinsam mit einem Richtfest eingeweiht wurde; oder ein Meisenhäuschen, das die Schüler selbst verkauft haben – mit dem schönen Nebeneffekt, dass sie so eine Lektion in Wirtschaftskunde erhielten. Karl-Heinz van Nüffeln war bis vor fünf Jahren Gas- und Wasserinstallateurmeister, leitete ein 40köpfiges Team. Da lernt man nicht nur handwerkliche Perfektion, sondern auch, wie man sich durchsetzt. Und das ist bei den 14- bis 15jährigen ein großer Vorteil: Wer Autorität ausstrahlt, wird schnell zum Vorbild. So schaffte er es zum Beispiel, dass eine seiner Schülerinnen eine Lehrstelle im Handwerk annahm und dort tolle Erfolge erlebt.
Auch andere Jugendliche verlassen sich auf seine Hilfe. Denn Karl-Heinz van Nüffeln kann auf gute Kontakte in der Handwerks-Branche bauen. Er versucht, für seine Schüler Lehrstellen zu bekommen, begleitet sie zu Vorstellungsgesprächen. Und ein Hamburger Lions-Club unterstützt ihn, engagiert sich für das Projekt, spendet Geld für Werkzeuge und will sich um Lehrstellen kümmern. „Die Kinder sind doch unsere Zukunft“, so Karl-Heinz van Nüffeln. „Da darf man keine Vorurteile haben, wenn die Noten schlecht ausfallen oder wenn es andere Probleme gibt. Nicht alle haben gute Startbedingungen im Elternhaus – um so wichtiger ist es, die Jugendlichen nicht allein zu lassen.“ Karl-Heinz van Nüffeln bedauert, dass er nach seinem Berufsleben zwei Jahre gewartet hat, bis er ehrenamtlich tätig wurde. „Man sollte sich rechtzeitig auf die Rentnerzeit vorbereiten. Einfach nur rumsitzen – das kann doch niemanden zufrieden machen. Menschen brauchen eine sinnvolle Aufgabe. Die habe ich zum Glück gefunden.“
Letzte Änderung: Montag, 26.03.2012
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